Pressespiegel

Kölnische Rundschau, Freitag. 21. Juni 2002

Künstler gegen Relief der so genannten"Judensau" einer mittelalterlichen Sage

"Schmähdarstellung" am Chorgestühl

Der Münchener Künstler Wolfram P. Kastner (55) hat gestern vor dem Dom gegen die Darstellung der so genannten "Judensau", einer mittelalterlichen Sage in der Kathedrale, demonstriert. Das Relief ist Bestandteil des Chorgestühls, das um 1310 enstanden ist. Kastner forderte, die Darstellung zu entfernen oder aber auf einem Hinweisschild mit distanzierendem Kommentar "auf das ehrverletzende antijüdische Hohnbild" aufmerksam zu machen. Die Darstellung zeigt drei Juden, der eine hält ein Schwein hoch, ein zweiter kniet vor dem Tier - Beweis dafür, dass es damals auch in der Kölner Bevölkerung antisemitische Tendenzen gab.

Der Dom war gestern Morgen vorübergehend geschlossen worden, weil die Dombauverwaltung Hinweise erhalten hat, Kastner komme in Begleitung von "Berufsdemonstranten". Dombaumeisterin Professor Barbara Schock-Werner nannte die Forderung nach einem Entfernen des Reliefs "absurd". Bei dem Chorgestühl handele es sich um ein Kunstwerk von höchstem Rang mit vielen hundert Skulpturen und Reliefs. Es zeige die positiven wie negativen Seiten des mittelalterlichen Denkens.

Gegenüber der Schmähdarstellung, die in vielen mittelalterlichen Kirchen auftauche, beispielsweise preise ein Relief die Weisheit des klugen jüdischen Königs Salomon. Und nicht weit entfernt ist auf einer großen Steinplatte das "Judenprivileg" von 1266 zu lesen, nach dem die Juden in Köln unter dem besonderen Schutz des Erzbischofs stehen.

Eine Hinweistafel mache keinen Sinn, weil Besucher das Relief nicht sehen können, der Bereich ist den Geistlichen vorbehalten. Im Ubrigen sei der Dom Gotteshaus und kein Museum. "Ich finde es wirklich geschmacklos, dass Herr Kastner versucht, gerade dieses Thema in der aktuellen Diskussion für seine Interessen zu instrumentalisieren", sagte die Dombaumeisterin. hap


Dieses Relief am Chorgestühl stellt die
"Judensau"-Sage dar, das Künstler Kastner als Hohnbild kritisiert.
Foto: Gauger