Briefwechsel

Institut für Kunst und Forschung,     30. März 2005


Herrn Generalvikar
Dr. Wilhelm Gegenfurtner
Niedermünstergasse 1
93047 Regensburg

„Judensau“-Skulptur am Regensburger Dom

Sehr geehrter Herr Gegenfurtner,

im März d.J. wurde am Regensburger Dom eine Tafel zur dortigen „Judensau“-Skulptur angebracht.

Wir hatten mehrfach und zuletzt auch durch eine öffentliche Kunstaktion auf die Notwendigkeit hingewiesen, eine Tafel mit einem gut formulierten und unmissverständlich distanzierenden Text dort anzubringen. So sehr wir es daher begrüßen, dass nun endlich eine Tafel angebracht wurde, erscheint der Text uns und vielen anderen kompetenten Personen als völlig unzureichend.

Weder enthält er eine Bemerkung zu dem furchtbaren historischen Kontext von Ausgrenzung, Erniedrigung, Vertreibung, Raub und Mord, noch finden sich klare Worte der Verantwortlichkeit für die Geschichte sowie der Schlussfolgerung daraus für Gegenwart und Zukunft. Der Regensburger Text ist ausdruckslos und missverständlich. Es kann der Eindruck entstehen, als solle damit um Verständnis für den Jahrhunderte währenden Judenhass geworben werden. Das leider bestehende Problem des heutigen Antisemitismus wird einfach geleugnet.

Bei verschiedenen Gesprächen in anderen Städten, welche die Last ähnlicher Skulpturen haben, fanden wir dagegen sehr viel bessere und klare Formulierungen.

Bei der Pressekonferenz in Regensburg wurde der Text als „Kompromiss“ bezeichnet. Bessere Formulierungen würden zu langatmig.

Die notwendigen Aussagen einer solchen Tafel, die einen symbolischen Wert hat und Ausdruck einer geistigen und moralischen Haltung ist, lassen sich aber in sehr wenige Worte und unmissverständliche Worte fassen. Wir haben dazu einen Vorschlag erarbeitet, den wir gerne bei den vorbereitenden Gesprächen eingebracht hätten. Von unserem wiederholten Angebot wurde aber kein Gebrauch gemacht.

Die jetzige Tafel sollte so keinesfalls bleiben. Sie muss dringend im o.g. Sinn. verändert werden.

Wir hoffen dabei auf Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfram P. Kastner