Brief vom Dombauamt

METROPOLITANKAPITEL
DER HOHEN DOMKIRCHE KÖLN

Dombauverwaltung
Roncalliplatz 2 D-50667 Köln

Herrn
Wolfram P. Kastner
Institut für Kunst und Forschung
Trivastr. 7
D-80637 München

Köln, den 10. Juni 2002

Judensau im Kölner Dom

Sehr geehrter Herr Kastner, sehr geehrter Herr Blauhorn,

da Herr Dompropst Henrichs zur Zeit in Urlaub ist, werde ich Ihnen antworten, auch wenn die letztgültige Entscheidung selbstverständlich bei ihm bleibt. Die Darstellung der "Judensau" im Köln Dom findet sich an einer Wange im Chorgetühl. Sie ist also anders als es offenbar Ihre Informationen beinhalten, nicht aus Stein, sondern aus Holz. Das Relief ist Teil des um 1310 entstandenen Chorgestühls aus Eiche und kann auch aus diesem nicht herausgelöst werden. - Es handelt sich um ein überaus wertvolles Kunstwerk, das insgesamt zu schützen und auf keinen Fall zu beschädigen ist. Viel wichtiger in Ihrem Zusammenhang scheint mir aber, daß es sich nicht um eine öffentliche Darstellung handelt. In diesen Bereich des Binnenchores kommen Dombesuche nicht, selbst jene Gruppen, denen erlaubt ist, in den Binnenchor zu kommen um den Schrein und den Hochaltar zu sehen, sind etliche Meter entfernt und können das Relief nicht sehen. Es wird auch darauf nicht hingewiesen. Auch wenn wir an Ort und Stelle eine Hinweistafel anbringen würden, würde diese niemand von den Besuchern lesen können. Wir haben aber im Dom auch eine etwa zwei Meter hohe Steintafel, eine Urkunde aus dem Jahre 1266, die einen Erlaß des Kölner Erzbischofs zum Schutz der in Köln lebenden Juden festhält. Diese Dokumentation zurn Leben der Juden in Köln ist frei zugänglich in der Kreuzkapelle aufgestellt und in jedem Führer verzeichnet. Einen besonderen Hinweis darauf wird es aber auch dort nicht geben, denn für uns ist der Dom Kirche und nicht Museum, Beschriftungen der Objekte möchten wir daher nicht.

Ich hoffe, damit Ihre Frage ausreichen beantwortet zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift

Prof. Dr. Barbara Schock-Werner
Dombaumeisterin