Aktion

Mit einem weißen Schriftzug vor dem Burgtor, Tafeln und Informationsblättern machten wir (Wolfram P. Kastner und Günter Wangerin) am 26. Juli 2003 um 11.00 Uhr auf den unverminderten Skandal aufmerksam und forderten eine Tafel mit einer Erläuterung und einer unmissverständlichen Distanzierung. Dies wird bisher vom Freistaat Bayern verweigert, der die Cadolzburg für 40 Millionen Euro mit Stahlbeton wieder aufbaut und mit Sandstein kaschiert. Angesichts von über 2000 antisemitischen Straftaten in Deutschland im vergangenen Jahr wäre es aber notwendig, eindeutige Zeichen dagegen zu setzen. Die meisten Passanten stimmten dem zu.

Nachdem wir von einem Cadolzburger, der unser Anliegen positiv aufgenommen hatte, erfuhren, dass am Samstag Abend ein Konzert ("Das Treffen in Cadolzburg") in der Burg stattfindet, setzten wir unsere Aktion um 18.00 Uhr vor dem Burgtor fort.

Der Oberbürgermeister von Cadolzburg (Bernd Obst, CSU) erschien mit der Kulturbeauftragten Frau Ines Kloke und forderte uns auf, die Aktion abzubrechen, da wir das Konzert stören würden. Da das Konzert aber erst um 19.00 Uhr - etwa 200 Meter entfernt von der Sau-Skulptur im inneren Burghof begann, sahen wir dazu keinen Anlass. Eine Störung konnte gar nicht stattfinden. Herr Obst behauptete uns gegenüber, wir befänden uns auf "Privatgrund" (die Burg ist aber Eigentum des Freistaates Bayern und nicht des Cadolzburger Bürgermeisters) und wir dürften vor dem Burgtor deshalb gar nicht stehen.

Viele Besucher des Konzertes sowie Interpreten des Konzerts zeigten sich dagegen sehr interessiert an Informationen über die antijüdischen "Sau-Skulpturen" und reagierten positiv auf unser Anliegen oder bedankten sich für unser Engagement.

Ein Mitglied des Heimatvereins Cadolzburg erklärte, er wolle anregen, dass sich der Cadolzburger Heimatverein damit befasst und sich für eine Tafel mit einer Erläuterung und unmissverständlichen Distanzierung von der antijüdischen Spottskulptur einsetzt.

Hingegen ließ der Landtagsabgeordnete Günther Gabsteiger (CSU) gegen die Künstler und Jugendliche aus Cadolzburg solch qualifizierte Bemerkungen fallen wie "Ihr seid's ja hinrissig!", "Hampelmänner" und "Arschloch". Zu einem sachlichen und offenen Gespräch war der Volksvertreter offenbar nicht in der Lage.

Als wir unsere Aktion beendet hatten, fuhren zwei Polizeiwagen mit insgesamt 4 Beamten vor, fotografierten die Bodenschrift und vernahmen Zeugen. Sie waren nach eigener Auskunft vom Bürgermeister verständigt worden. Am Sonntag Morgen löschte die Feuerwehr den Schriftzug "Judensau" weg. Damit wird die Diskussion unnötiger Weise auf eine andere Ebene verschoben. Aufgrund der Anzeige des Bürgermeisters ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Als ob es nicht auch anders ginge. Niemand kam bei der Aktion zu Schaden und die Schrift wird ohnehin durch Witterung und Abrieb verschwinden.