Faltblatt vom Institut für Kunst und Forschung

Cadolzburger Sauerei

Am äußeren Burgtor der Cadolzburg bei Nürnberg befindet sich eine antijüdische Hohnskulptur, eine sog. "Judensau" aus dem 15. Jahrhundert. Dieses steinerne Dokument der menschenverachtenden und gewalttätigen christlichen deutschen Geschichte symbolisiert eine Tradition in Deutschland, die im Auschwitzsystem und dem Mord an Millionen europäischen Juden kulminierte. Das christliche Schmähwort "Judensau", das mit einigem Recht als christliche Sauerei bezeichnet werden kann, wurde zu einem stehenden Begriff, den die deutschen Antisemiten und Nazis selbstverständlich übernehmen konnten.

Dieses Zeugnis des mörderischen deutschen Antisemitismus, der leider fortbesteht, ist noch immer – öffentlich unkommentiert - zu sehen; ebenso wie in 28 deutschen oder ehemals deutschen Kirchen. Nur in Wittenberg wurde eine Tafel am Boden hinzugefügt, die eine Distanzierung vom niederträchtigen Geist dieser Skulptur enthält. In etlichen Städten wurden in Phasen der Liberalisierung solche Skulpturen entfernt (z.B. in Salzburg), weil man sich von dem inhumanen christlich-fundamentalistischen Geist distanzierte.

Sowohl die Bayrische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen sowie die Bayerische Staatsregierung haben wir angeregt, eine öffentliche Kommentierung und Distanzierung im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des gesamten Burg vor dem Burgtor anzubringen. Die Anregung blieb unbeantwortet.

Angesichts des sich ausbreitenden Antisemitismus und der antisemitischen Gewalttaten ist es aber dringend erforderlich, dass sich auch und gerade die Bayerische Staatsregierung und die Verwaltung davon und von der antijüdischen Geschichte öffentlich und deutlich distanzieren, um die Wahrnehmung und die Sensibilität zu diesem Thema anzuregen.

Wir führen mit dieser Zielsetzung eine öffentliche Kunstaktion durch
am Samstag, 26. Juli um 11.00 Uhr an der Cadolzburg,
zu der wir Sie herzlich einladen.

Außerdem schlagen wir die Einrichtung einer dauerhaften Denkstätte mit Information, Kommentar und Distanzierung unmittelbar vor der Cadolzburg vor.

Für weitere Informationen stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen


Wolfram P. Kastner      Günter Wangerin